cover: Kein Freiheits- und EinheitsdenkmalInhalt: 978-3-88960-198-8

M+ M (Hg.)

Kein Freiheits- und Einheitsdenkmal


Bestellen


2020, 180 Seiten, 12,5 cm x 18 cm, vierfarbig, Klebebindung
ISBN: 978-3-88960-198-8
Preis: 12,80 €

Beschreibung

 Die zweite Garantie dafür, daß Sie in interessanten Zeiten leben werden, ist, daß Sie ein öffentliches Denkmal im Namen der Freiheit planen. Denn nun werden Sie die Meinungsfreiheit auch als die Freiheit erleben, eine Meinung selbst dann zu haben, wenn man keine Ahnung hat. Das ist in der modernen Kunst notorisch, geht aber gern als Volksausgabe der Demokratie durch.
 – Walter Grasskamp

Siebzigtausend farbige Podeste sollten nebeneinander in eine vertiefte, ungefähr fußballfeldgroße Fläche auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz eingelassen werden. Die Zahl entspricht auch der ungefähren Anzahl der Demonstranten bei der maßgeblichen Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989. Die Demonstration gilt als Markstein der friedlichen Revolution. Ab dem Eröffnungstag hätten die Besucher die Podeste aus dem Feld heraus- und mit sich nach Hause, in die Arbeit oder an einen anderen Ort im öffentlichen Raum nehmen können. So wie die Podeste als individuelle Handlungsfelder für die freie Rede verstanden werden konnten, sollte auch der entstandene Platz ein Ort für gesellschaftliche Veranstaltungen werden.

Das Buch ist eine Materialsammlung. Sie folgt in groben Zügen den größtenteils aggressiven Reaktionen auf das Denkmalprojekt 70 000, mit dem das Künstlerduo M+M gemeinsam mit ANNABAU Architektur und Landschaft 2012 den Wettbewerb zum Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal gewann.

Es handelt sich vorwiegend um Reaktionen im Internetforum der Stadt Leipzig und in der Presse sowie um die sich daraus entwickelnden politischen Entscheidungen, die zum kompletten Abbruch des Verfahrens führten.

Zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution und vier Jahre nach dem endgültigen Wettbewerbsabbruch zeichnet dieses Buch skizzenhaft eine eigenartige Situation der Denkmaldiskussion im Bermudadreieck politischer, gesellschaftlicher und künstlerischer Interessen nach.

 

Wolfgang Ullrich, 03.07.2020:

Die Lektüre des Buches über das verhinderte Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig war sehr aufschlussreich für mich, weil mir deutlich wurde, wie stark die Debatte über diesen Entwurf schon Ausdruck eines Ost-West-Konflikts war. Nun sehe ich aber in diesem Buch, wie 2012 schon fast alle Motive, die dann etwas später zu Pegida und AfD-Erfolgen geführt haben, schon voll entwickelt waren. Insofern ist das ein zeitgeschichtlich höchst wertvolles Dokument!

Vermutlich war 2012 die ostdeutsche Identitätspolitik schon so weit entwickelt, dass ein Denkmalsentwurf aus dem Westen von vornherein eigentlich keine Chance hatte. Interessant ist, dass das den Verantwortlichen offenbar damals aber gar nicht bewusst war. Ich frage mich, wie man heute einen solchen Wettbewerb anginge. Vermutlich gäbe es schon im Vorfeld so viel Diskussion und Widerstand, dass das Projekt gleich wieder begraben würde. Aber heute kommt man schon gar nicht auf die Idee eines solchen Wettbewerbs. Der Entwurf von M+M und Annabau ist da wirklich zum Medium geworden, an dem etwas bis dahin unterschwellig Gebliebenes erstmals im großen Stil sichtbar wurde. Deshalb ist diese Dokumentation wirklich wichtig. Und kommt im richtigen Moment, denn aus Anlass des 30-jährigen Wiedervereinigungsjubiläums im Herbst dürfte einiges nochmal neu in die Diskussion kommen.


Rezension

Ralf Julke: "Kein Freiheits- und Einheitsdenkmal: Die Geschichte einer großen Leipziger Blamage", in: Leipziger Internet Zeitung, 15.04.2020.

https://www.l-iz.de/bildung/buecher/2020/04/Kein-Freiheits-und-Einheitsdenkmal-Die-Geschichte-einer-grossen-Leipziger-Blamage-326450?fbclid=IwAR079OcNj0sszRcccWxcmv6vuhHIbuJ90EhfyYvGnPQuBFV8Ndbc_BYg9AQ

 

Autoreninfo

M+M steht für die künstlerische Zusammenarbeit von Marc Weis, geb. 1965, und Martin De Mattia, geb. 1963.

http://www.mm-art.de/