cover: Tom Kummer. Reportagen & Porträts 1987–2016Inhalt: 978-3-948395-00-1

Tom Kummer, Florian Waldvogel (Hg.)

Tom Kummer. Reportagen & Porträts 1987–2016

WERKAUSGABE PART ONE

Der erste Teil vom Gesamtwerk – die besten Stories aus drei Jahrzehnten: 66 Essays, Reportagen und Porträts vom Vater des „Alternativen Journalismus“ – Tom Kummer. Begleitet von einem Interview zwischen dem Kurator Florian Waldvogel und Tom Kummer, in dem sie Fiktionalitätsspuren und Medientheorien verfolgen, Überraschendes aus dem Redaktionsalltag aufdecken und Hintergründe zu den einzelnen Beiträgen sezieren.


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Rand & Band # 1

2020, 528 Seiten, 14,5 x 21 cm, Broschur
ISBN: 978-3-948395-00-1
Preis: 29,90 €

Beschreibung

 

Mir ging es immer darum, die Definition, was Realität ist und was Fiktion, infrage zu stellen. Wenn ich schreibe, beginnt eine Implosion des Realen.
– Tom Kummer

Der Schweizer Journalist Tom Kummer – „the Bad Boy of German Journalism“ (New York Times) – sorgte in den 1990er Jahren mit sarkastisch tiefgründigen Starinterviews für Furore. Wie später aufgedeckt wurde, war ein großer Teil dieser Gespräche der Fantasie des Autors entsprungen – der „Borderline-Journalismus“ war geboren und damit ein neues Kapitel Mediengeschichte geschrieben. 
Neben diesen legendären Interviews erschienen auch unzählige fantastische Porträts und Reportagen, die nun zum ersten Mal in einem Band versammelt sind.
Tom Kummers Beiträge für renommierte deutschsprachige Magazine (u.a. Tempo, Transatlantik, Der Spiegel, FAZ, Die Zeit), sind herausragende Beispiele für den literarischen Journalismus und besitzen eine erzählerische Kraft, die großartige journalistische Prosa ausmacht: eine feine Beobachtungsgabe, weil emphatisches Interesse am Menschen, am Gegenüber – in seinen Texten sucht Kummer das Abgründige, die Vielfalt der Perspektiven in der Schonungslosigkeit.
Angefangen bei der aberwitzigen Analyse eines Tennis-Matchs über die Wirren des ersten Golfkrieges und den reaktionären US-amerikanischen Rundfunk bis hin zu einem Porträt des Enkels von Erich Honecker – Erzählungen aus der Wirklichkeit, denn das Leben hält die besten Geschichten parat und Kummer ist ihr besessener Chronist. Der Autor schreibt über Kindersoldaten, endlose Fahrten durch Los Angeles, Umweltaktivismus, Nazi-WGs, den Hund von Steven Spielberg, Nightcrawler, den Kunst- und Modebetrieb, die Literaturszene, das System Gaga und überraschendes mehr.
Luzide legt der Autor Kummer im Gespräch mit Florian Waldvogel dar, dass Wahrheit mediale Zwischenräume sind, in denen ganz bestimmt nicht die Gewissheit regiert. Auch private Perspektiven kommen nicht zu kurz. Man begleitet das vitale Leben und das Werk eines Schweizers, dessen Stil wegweisend ist. In der Geschichte des New Journalism bekommt Kummer nicht nur eine Seite, sondern ein ganzes Buch von uns.
Es geht nicht um Fake, es geht um das Ausloten der subjektiven Grenzen von Wahrheit, um den Handel mit Realität: Endlich kann man Kummers Texte mal als das nehmen, was sie wirklich sind – sei es mediales „Experimentierfeld“, subversive Praxis, literarische Collage oder tagesaktueller Zustandsbericht – in jedem Falle unterhaltsamen, geistreichen und gehaltvollen, weittragenden Lesestoff.

Autoreninfo

Tom Kummer (geb.1961 in Bern) lebte ab 1985 in Westberlin und veröffentlichte 1987 erstmals Kurzgeschichten in TRANSATLANTIK – eine Publikation, die den literarischen Journalismus fördert. 1988 wird Tom Kummer Autor für Tempo und setzt dort seinen radikalen Bruch mit journalistischen Konventionen fort. Ab 1993 arbeitet er als fest-freier Autor in Los Angeles für verschiedene deutschsprachige Magazine. 1997 erscheint „Good Morning, Los Angeles“. Darin setzt er sich selbstkritisch mit medialer Wirklichkeit und Format-Rebellion auseinander. 2000 lösen seine fiktiven Interviews einen Medienskandal aus. 2009 kommt der Film „Bad Boy Kummer“ in die Kinos – basierend auf der Autobiografie „Blow Up“. 2017 erscheint „Nina & Tom“, ein Roman über die Liebe zu seiner Frau und ihrem Sterben. Tom Kummer wurde 1994 für den Joseph Roth Preis und 2019 für den Bachmannpreis nominiert.

Dr. Florian Waldvogel, (*1969) ist Leiter der Modernen Sammlung Ferdinandeum der Tiroler Landesmuseen in Innsbruck. Studium der „Praxis der Kunstvermittlung" an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Städelschule in Frankfurt am Main. 2001–2003 Künstlerischer Leiter an der Kokerei Zollverein | Zeitgenössische Kunst und Kritik, Essen. Co-Kurator von Just Do It! (Linz 2005), Manifesta 6 (Nicosia, Zypern 2006) und Das Grosse Rasenstück (Nürnberg 2006). 2006­–2008 Kurator am Witte de With in Rotterdam. 2009–2013 Direktor des Kunstvereins in Hamburg.
Herausgeber von Haltung als Handlung – Das Zentrum für Politische Schönheit (2018), Gegenwartsgesellschaft von Olaf Metzel (2013), Meanwhile von Nathan Hylden (2011), Mitherausgeber von Handbuch Antirassismus (2002), Critical Condition von Julie Ault und Martin Beck (2003), Story/No Story von Tobias Zielony (2010), Freedom of Speech (2011) und Oh Kunstverein, where art thou? (2013). Autor von Who let the dogs out (2001) und Libretto für einen möglichen Kunstverein (2010). Bei edition metzel erschienen: Aspekte des Kuratorischen am Beispiel der Praxis von Kasper König (2016) – das Buch basiert auf seiner Dissertation an der HFBK Hamburg.